Zurück in die Steinzeit in deutschen Gärten

Schotter- bzw. Kiesgärten können toll gestaltete natürliche Paradiese sein. 
Und sie können auch schrecklich trister Ausdruck der Phantasielosigkeit sein. 

Zur Zeit sieht man immer mehr von diesen trist-traurigen Kiesgärten.
Vor allem aus den Vorgärten verschwindet jeder Grashalm, um Platz zu machen für Einheitsgrau.

Dazwischen wird dann das eine oder andere mickerige Nadelbäumchen gesetzt, das sich sichtbar unwohl fühlt und seinen Lebenssinn höchstens noch als Rehpinscher-Toilette finden kann.
Wo soll der arme Hund auch sonst sein Beinchen heben? 

Wer es wagt, diese "Gärten", die ja eigentlich eher Steinwüsten sind, zu kritisieren, läuft Gefahr, als intolerant zu gelten.
Natürlich - jeder darf seinen Garten im Rahmen gewisser gesetzlicher Vorgaben frei gestalten und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten.

Nun ist es aber doch gar nicht so, daß diese Kies-Gärten angelegt werden, weil ihre Besitzer sie "schön" finden.
Es sind ja eigentlich Not-Geburten, die angelegt werden, weil sie angeblich so pflegeleicht sind.

Und auch wenn es einem echten Gärtner vor solchen Gärten graust, er wird seine Kunden kaum davon abhalten. 
Erstens weil man Kundenwünsche schon aus Prinzip erfüllt und zweitens, weil man mit diesen Anlagen steinreich werden kann. 

Hier sind zwei besonders eindrucksvolle Exemplare ihrer Art - die Schöpfer möge mir verzeihen, daß ich sein Werk als schlechtes Beispiel vorführe:

Kiesgarten

 

Warum schlagen echte Gärtner die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie solche Gärten sehen? 

Nun in erster Linie, weil ein Gärtner weiß, was die Natur vermag und daß diese Flächen nur kurze Zeit so penibel sauber aussehen.

Auch wenn Schotterflächen nicht für jede Pflanze geeignet sind, gibt es doch immer wieder Samen, die einfliegen und Fuß fassen.
Sie bilden Blätter aus, die Blätter verrotten und bilden Humus.
Und schon finden die nächsten - anspruchsvolleren - Pflanzen etwas Boden vor, der sich zwischen den Steinen nicht entfernen läßt.

In der Regel dürfen solche Flächen nicht mit Spritzmitteln oder Hausmitteln wie Essig behandelt werden. 
Thermische Unkrautbekämpfung biete sich auch nicht an - wegen der darunter liegenden Folie. 

Bleibt also nur mühsames Unkrautrupfen per Hand und die Steine verfärben sich und sehen bald schmutzig aus.
Die Patina, die in einem naturnahen Garten gewollt ist, wirkt auf diesen Flächen schnell ungepflegt.

Die Steinwüsten heizen sich im Sommer auf und sorgen für zusätzliche stickige Wärme. 
Vegetation in der Stadt ist ja deshalb so begehrt, weil sie für kühlere und feuchtere Luft sorgt und Feinstaub bindet.
Der Effekt fehlt auf diesen Steinflächen. 

Wasser kann wegen der Unkraut-Folien nicht richtig vom Boden aufgenommen werden, sondern gelangt sofort in die Kanalisation. 
D.h. bei Starkregen kommt es schneller zu Hochwasser, wenn Grün fehlt.

Versteht sich von selbst, daß die Tierwelt auf Stein beißt.
Insekten, Vögel und Amphibien finden vielleicht die eine oder andere Unterkunft, aber keine Nahrung. 
Gärten sind ja heute die letzten ökologischen Nischen als Gegengewicht für die ländlichen Flächen mit ihren riesigen Monokulturen.
Diese Nischen fehlen dann auch. 

Kinder können auf den Steinflächen nicht spielen. 
Es besteht ja Verletzungsgefahr an den scharfkantigen und spitzen Kiessteinen.

Müssen Schotterflächen immer steril sein?
Kürzlich war ich mal wieder bei meinen Eltern und habe mich über den Vorgarten gefreut, den ich vor 18 Jahren für sie geplant habe. 
Der basiert auf dem für die Rhön typischen Basalt-Geröll in unterschiedlicher Größe und darin eingebettete geschwungene Beete.  

Vieles würde man heute anders bepflanzen. Einige Pflanzen haben sich im rauhen Klima der Rhön nicht durchsetzen können. 
Andere sind zugeflogen und dürfen bleiben, auch wenn sie farblich nicht passen.
Z.B. eine kleine quietsch-rosa-farbene Nelke, die sich als sehr durchsetzungsfähig erweist. 

Heute würde ich den Schwerpunkt noch mehr auf heimische Pflanzen legen. 

Der Schotter-Garten macht meinen Eltern sehr viel Freude, weil er zu jeder Jahreszeit anders und auch im Winter schön aussieht. 
Aber es darf auch nicht verschwiegen werden, daß er insgesamt durchaus Arbeit macht.
Der Schotter ist hier also eher als Gestaltungselement gedacht, weniger um einen pflegeleichten Gärten zu gestalten 

Wann macht denn nun ein Schottergarten Sinn?

Wir haben ja schon erwähnt, daß Schottergärten nicht unbedingt pflegeleichter sind.
Dennoch gibt es bestimmte Situationen, in denen ein solcher Kiesgarten durchaus Sinn macht:

  • der Boden ist trocken und nährstoffarm
  • man hat eine günstige Quelle für schönes Steinmaterial in unterschiedlicher Größe, das aus der Region stammt und dadurch gestalterisch gut zu integrieren ist
  • man möchte ein Biotop für bestimmte (Wild-)Pflanzen schaffen, die diesen Standort bevorzugen
  • man hat ein bestimmtes Gestaltungsbild vor Augen, z.B. Kiesgärten nach Beth Chatto
  • man möchte einen Hortus Insectorum schaffen, über den sich vor allem Insekten freuen

Wie legt man schöne Schottergärten an?

Möchtest Du einen eher gestalteten Schottergarten oder einen wilden Schottergarten, der in erster Linie die Insektenwelt erfreut, aber natürlich auch das Auge?
Beim gestalterischen Schotter- oder Kiesgarten gibt es einen Namen, der mehr als alle anderen für diese Form des Gartens steht: 
Beth Chatto ist eine inzwischen sehr berühmte englische Gartengestalterin und Gärtnereibesitzerin.
Ihre Kiesgärten als Gestaltungselement entwickelte sie aus der Not heraus, weil sie ein trockenes und nicht sehr nährstoffreiches Gartenstück besaß.

Von Ihr gibt es viele Bücher, die man sich als Impulsgeber anschauen kann.
Aber Vorsicht: nicht jede Pflanze, die in den Büchern empfohlen wird, ist in unserem Klima winterhart!
Und natürlich kommen viele Pflanzen vor, die sie in ihrer Gärtnerei anbietet, die aber in Deutschland nur schwer erhältlich sind.

Das ist aber alles kein Problem, wenn man sich mit den gestalterischen Grundlagen vertraut gemacht hat, dann findet man auch ähnliche Pflanzen für bestimmte Zwecke. 

Wie legt man Schottergärten als Biotope an?

Kennt Ihr den Hortus Inscetorum? Ich hatte schon mal das Vergnügen, dort eine Führung zu bekommen.
Der Hortus Inscetorum beschreibt eine Gartenform, bei der der Garten einerseits genutzt werden kann und andererseits ein Paradies für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten ist, die ja bekanntlich immer weniger Lebensraum zur Verfügung haben.

Damit das Nebeneinander von Nutzung und Biotop gut funktioniert, wird der Garten in 3 Zonen aufgeteilt.
Über dieses Prinzip hat Markus Gastl zwei Bücher geschrieben, die beide im Ulmerverlag erschienen sind:

Weiterführende Links:  

Wie gehts weiter?

In einem nächsten Blog-Beitrag stelle ich ein paar Pflanzen vor, die für Kiesgärten besonders gut geeignet sind.

(1-5 Ziffern angeben)

.